Zigeuner-Jazz
© Marcel Maij, Wil SG,
09.04.98
Geschichte
Zigeuner
gibt es auf der ganzen Welt. Man nennt sie auch Nomaden, Fahrende, usw. Ich
möchte mich auf die Zigeuner aus Frankreich und Deutschland beschränken (Sinti
und Roma). Ursprünglich kommen die Zigeuner aus dem Ostblock (Indien, Ungarn,
Rumänien, usw.). Die Geschichte geht bis ins frühe Mittelalter zurück, gegeben
hat es sie aber eigentlich schon immer. Selbst die Urmenschen waren
Herumziehende, die Essen suchten. Musiker waren früher sehr oft unterwegs um
Musik zu machen und um ihren Unterhalt zu verdienen. Die traditionelle
Zigeunermusik wurde im 16. - 18. Jahrhundert vor allem als Werbemusik verstanden
und gebraucht. Die Könige warben mit dieser Musik neue Soldaten für ihre Armeen
an. Sie zogen durch das Land, machten Musik und tanzten dazu. Ab dem 18./19.
Jahrhundert wurden die Klassischen Komponisten aufmerksam auf diese Art von
Musik und bauten sie in ihre Kompositionen ein. Zum Beispiel Mozart, Beethoven,
Liszt, Debussy, Bartok, usw. Das Wort Zigeuner ist nicht sehr beliebt bei den
Fahrenden. Ein Zigeuner erzählte vor einem Konzert von Bireli
Lagrene und Häns´che Weiss,
dass dieses Wort von "Ziehende Gauner" herkommt. Seither nannte er
uns Zuschauer "Sitzgeuner".
Instrumente
Die
ungarischen traditionellen Instrumente sind Folgende: Violinen, Dudelsack
(Sackpfeife), Hackbrett, Flöten, Kontrabass, Harfen und Leiern. Dies hat sich
im Verlauf der Zeit und Umgebung etwas geändert. In Ungarn besteht eine
Zigeunerkapelle aus einer oder zwei Geigen, evtl. einer Klarinette, den Cymbal und einem Kontrabass. In Frankreich dagegen spielt
die Geige in der Zigeunermusik fast keine Rolle. Hier ist das vorherrschende
Instrument die Gitarre. Ich vermute, dies wird auch der Einfluss der spanischen
Zigeuner sein. In Deutschland sind die Zigeuner so was wie eine
Zwischenstation. Sie bilden die Grenze zwischen dem Osten und dem Westen. Hier gibt
es mehr gemischte Kapellen. Die Geige hat sich jedoch bis heute ziemlich stark
durchsetzen können und ist in vielen Kapellen enthalten. In Verbindung mit Jazz
kamen dann auch noch andere Instrumente dazu, wie z.B. Trompete, Klavier, usw.
Zigeunermusik
Typisch
für die Zigeunermusik ist, dass sie immer akustisch gespielt wird.
· Es
werden immer sehr viele Töne gespielt.
· Die
Geige hat immer irgendetwas Sehnsüchtiges in seinem Klang. Sie wird sehr legato gespielt, ich sage immer sie klingt wie „Fondue“.
· Das Vibrato ist in den meisten Fällen sehr ausgeprägt.
· Es
werden viele Triller und Glissando verwendet.
· Die
Gitarrensaiten werden sehr oft gezogen.
· Die
Begleitung ist im Gegensatz zum Geigenspiel sehr staccato
mit Betonung auf 2 + 4. Sie erinnert sehr stark an Dixieland. Ausgeprägt sind
auch die eingeschobenen temperamentvollen Ausbrüche der Begleitgitarren.
· Der
Kontrabass begleitet sehr oft nur mit der Bewegung 1-5 (Polka).
· z.T. eigene Tonleiter (z.B. Zigeuner moll
= a-h-c-dis-e-f-gis-a) die Zigeuner spielen vor allem
im 4/4 Takt und im ¾ Takt. Der Walzer wurde schon immer sehr gepflegt und man
kann ihn gar nicht mehr von der Zigeunermusik wegdenken.
Eine ganz
besondere Form in der Zigeunermusik ist der CSARDAS (sprich Tschardasch),
in der Tradition auch NOTA genannt. Dies ist eine sehr traditionelle Form, die
noch heute ein sehr wichtiger Bestandteil ist. Der Csardas beginnt immer
langsam und steigert sich schlussendlich bis zu einer schwindelerregenden
Geschwindigkeit. Dies war früher und ist heute noch ein Tanzstück, das sowohl
in Ungarn, in Deutschland und in Frankreich noch gespielt wird.
Zigeuner-Jazz
In den
meisten Fällen hat der Jazz Einflüsse genommen, wie z.B. Blues, Rock, Pop, usw.
Bei der Zigeunermusik ist es jedoch so, dass die Zigeuner den Jazz genommen
haben. Sie spielten zwar Jazz, blieben jedoch immer bei ihrer Tradition. Beim
Zigeuner-Jazz handelt es sich eigentlich um eine Erfindung eines einzelnen
Mannes. Vor DJANGO REINHARDT gab es keinen Zigeunermusiker, der in dieser Art
spielte. Nach ihm gab es sehr viele.
Er wurde
am 23. Januar 1910 in Liberchies in Belgien als Jean
Baptiste Reinhardt geboren. Aufgrund der ewigen Wanderschaft kreuzt und quer
durch Frankreich bleibt seine Kindheit mehr oder weniger im Dunkeln. Mit 12
Jahren beginnt er Banjo zu spielen und tingelt sich so durch Frankreich. 1928
wird er im Schlaf von einem Brand seines Wohnwagens überrascht und schützt sich
mit seiner linken Hand vor dem Gesicht. Diese wurde gefährlich verbrannt und
stark deformiert. Eigentlich hätte sein Bein amputiert werden sollen aber er
weigerte sich. Nach 1 ½ Jahren hat sich seine Hand weitgehend wieder
gekräftigt. In den nächsten Jahren tingelt er sich mehr schlecht als recht
durch Frankreich. Er entwickelte eine eigene Technik für die linke Hand.

1934
schliesst er sich dem Hot Club de France, in dem auch Stephane Grapelly spielt, an. Aus diesem Club filtert sich das
Quintette du Hot Club de France heraus und hat innert kurzer
Zeit Erfolg in Frankreich. In dieser Zeit lernt er Coleman Hawkins und durch
ihn Louis Armstrong kennen, den er auch einmal begleitet. Es folgen diverse
Aufnahmen mit dem Quintet und auch mit Coleman
Hawkins. Sie werden weltweit bekannt. Sie spielen in ganz Europa und Amerika
und mit sehr vielen grossen Musikern. Er erlebt in seinem Leben sehr viele Ups und Downs. Am 16. Mai 1953
stirbt Django Reinhardt an einer Hirnblutung.
Die
Zigeunermusik wurde nicht nur mit dem Klassischen und mit dem Jazz fusioniert,
er wurde zum Teil auch mit dem Pop in Zusammenhang gebracht (zum Beispiel
"Vaya con dios"
mit "Nah Neh Nah" aufg.
1990).
Abschliessend
einige Namen der Django-Nachfolger: Schnuckenack
Reinhardt, Häns´che Weiss, Philip Catherine,
Christian Escoude, Bireli Lagrene
Übersetzung aus dem Romanes:
Siegfried Maeker
LASS MARO
TSCHATSCHEPEN
Lasst uns unser
Recht fordern
|
mare
sinte, gamle sinte |
|
Ihr eigenen Leute liebe Sinte |
|
hunenn,
ho men penepaske hi |
|
hört was wir zu sagen haben |
|
temer
djinenna, djinenn' ha-lauta |
|
ihr wisst ihr wisst alle |
|
ha menge djais an o truschlengero ziro |
|
wie es uns in der NS-Zeit ergangen ist |
|
te kama mer ga
te well ko ziro pale |
|
wenn wir nicht wollen dass sich so was wiederholt |
|
gai mare sinte wann pall-line |
|
eine Zeit in der unsere Leute verfolgt wurden |
|
palle
dikas te rikras kettene |
|
dann lasst uns zusammenhalten |
|
jake
well maro tschatschepen mende |
|
nur so werden wir unser Recht bekommen |
|
i baschepangere an maro ziro |
|
Die Musiker unter den Zigeunern |
|
kolla
wenna an hako temm |
|
kommen heutzutage überall herum |
|
jon hunenna, hunenn' i menschenda |
|
sie hören hören von ihren
Stammesangehörigen |
|
ha lenge djalla ersch-gana noch |
|
wie es ihnen selbst heute noch ergeht |
|
jon hatzenna tschi schterdepaske |
|
sie finden keine Lagerplätze |
|
te djann' jon ap
o temm |
|
wenn sie im Sommer auf die Reise gehen |
|
kotte
gai o tschik'leda hi |
|
dort wo es am menschenunwürdigsten ist |
|
kotte
naschte tschenn-le pral o
went |
|
dort erlaubt man ihnen über den Winter zu bleiben |
|
brindjera
but sinten an o gatschkenno |
|
Wir kennen viele Zigeuner in Deutschland |
|
gai wann pure
an kawa temm |
|
die in diesem Jahr alt geworden sind |
|
te penell menge o gadjo, hoske well-len kek liel |
|
soll uns doch der gadjo
(Nichtzigeuner) sagen |
|
weschke
job dell' menge tschi |
|
warum sie keine Papiere (Staatsangehörigkeit)
erhalten |
|
kawa
hi tschumoni gai hunte djas
mer glan |
|
weil der gadjo uns nicht
achtet - dagegen müssen wir angehen |
|
kawa
mukas mer butega ap mende |
|
das dürfen wir uns nicht länger bieten lassen |
|
bistrann
jon, ho jon mentsa krann |
|
haben sie vergessen was man uns angetan hat |
|
hi kawa lengo tschatschepen |
|
ist das ihre Gerechtigkeit |
|
|
|
|
|
mer rodas i drom ap mari riek |
|
Wir müssen einen Weg für uns suchen |
|
mer hatzas i drom ap mari riek |
|
wir müssen einen Weg für uns finden |
|
lass maro tschatschepen |
|
lasst uns unser Recht fordern |
|
mer manga temen |
|
wir bitten euch (die eigenen Leute) |
|
ma tschass ga ap
ko puro drom |
|
lasst uns nicht auf dem alten Weg (Passivität)
bleiben |