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PÄDAGOGIK - DIPLOMARBEIT

© Marcel Maij, Wil SG, 1999


Gitarrenspezifisches Lehrkonzept | Quellenangaben

 

6. SCHÜLERSPEZIFISCHES LEHRKONZEPT

Eigentlich ist dieser Schüler nicht das typische Beispiel meiner anderen Schüler. Er ist bereits erwachsen und hat ein ganz klares Ziel vor Augen. Es gibt jedoch verschiedene Gründe, warum ich mit ihm meine Prüfung absolvieren will. Erstens habe ich mit ihm eine sehr gute Beziehung aufgebaut und ich fühle mich ziemlich wohl in seiner Gegenwart. Zweitens ist es für seine Aufnahmeprüfung sehr wertvoll, wenn er bereits einmal die Erfahrung macht, vor kritischem Publikum spielen zu müssen. Drittens kann ich mir vorstellen, dass es für ein Kind sehr nervenbelastend sein kann in einer solchen Prüfungssituation zu stehen.

 

6.1 Kurzbiographie des Schülers:

Name: ????? (will ich aus Datenschützgründen nicht bekannt geben)

Geb. Datum: 13.06.1979

Wohnort: ????? (will ich aus Datenschützgründen nicht bekannt geben)

Spielt Gitarre seit: ca. 5 Jahre

Spielt Jazz (Real Book) seit: ca. 2 Jahre

Musikalische Vorlieben: Funk / Acid-Jazz / Jazz

Musikalische Aktivitäten: Spielt seit ca. einem Jahr in einer Funkband und hat ca. 2 bis 3 Auftritte im Monat

Unterricht: Hatte Unterricht bei einem Lehrer in Romanshorn und ist seit 1½ Jahren bei mir im Unterricht

 

6.2 Ziele

Das langfristige Ziel des Schülers ist die Aufnahme an die Berufsschule der Jazzschule in St.Gallen. Unsere Vorlagen sind durch das natürlich die Bedingungen für die Aufnahmeprüfung. So haben wir uns kurz- und mittelfristige Ziele der einzelnen Punkte gesetzt.

 

6.3 Harmonielehre

Ich erarbeite mit dem Schüler die beiden Bücher "Harmonielehre 1 & 2 der Jazzschule St.Gallen, Allgemeine Abteilung". Das Ziel ist, beide Bücher frühzeitig ganz abzuschliessen, um noch genügend Zeit zu haben, alle Themen zu üben und zu festigen

 

6.4 Gehörbildung

Ich erarbeite mit dem Schüler die beiden Bücher "Gehörbildung 1 & 2 der Jazzschule St.Gallen, Allgemeine Abteilung". Hier ist ebenfalls das Ziel, beide Bücher frühzeitig abzuschliessen, um noch genügend Zeit zu haben, das Gehör zu trainieren und die Themen zu festigen.

 

6.5 Improvisation

Die Improvisation habe ich in folgende Themen unterteilt:

a) Skalen

- Nach Analyse eines Standards Kontinuierliche Skalen in einer Lage

 

b) Arpeggios

- maj7 / m7 / dom.7 / m7b5 / vermind. Arpeggios kennen lernen

- Arpeggios über einen Standard spielen (Viertel und Achtel)

 

c) Guidetone Lines

- Guidetone Linien über Standards heraussuchen und in Improvisation integrieren

 

d) Motive

- Einfache Motive finden (z.B. aus Thema) und diese in Improvisation anwenden und weiterentwickeln

- Improvisationen um das Thema herum

- Pausen spielen

 

e) Phrasierung / Dynamik

- Phrasierungs- und Dynamikübungen

- Durch Transkriptionen genaue Phrasierung und Dynamik von bekannten Gitarristen heraus hören

 

f) Auswendiglernen von Standards

g) Dur / Moll Tonleitern, in allen Lagen und Tonarten

 

 

6.6 Rhythmik

Ich führe alle Rythmikübungen Binär und Ternär durch und in verschiedenen Tempo. Ich arbeite vor allem mit Agostini und W.G. Leavitt's "Melodic Rhythms for Guitar". Die Übungen lasse ich klatschen, singen, auf der Gitarre auf einem Ton und mit Melodie spielen.

 

6.7 Noten lesen

Hier arbeite ich vor allem mit dem "Real Book“, mit W.G. Leavitt's " Melodic Rhythms for Guitar" und mit Bach-Inventionen. Regelmässig lasse ich das Real Book aufschlagen und übe mit dem Schüler das Blattlesen in Noten und Chiffrierung.

 

6.8 Repertoire

Der Schüler soll so viele Standards auswendig lernen wie möglich. Dadurch entsteht ein gutes und breites Repertoire und es entstehen viele Ideen für Improvisationen.

 

6.9 Prüfungen

Ende jedes Semesters führe ich mit dem Schüler eine theoretische und eine praktische Prüfung durch. Dies sehe ich als Motivation für den Schüler an, er kann sich an den Prüfungs-Groove gewöhnen und natürlich ist dies jeweils eine gute Zwischenbilanz seines musikalischen Standes.

 

6.10 Rückblick

Ich denke, der Schüler hat viel Neues dazugelernt. Ein grosses Problem hat uns während dieser Zeit immer wieder zu schaffen gemacht. Der Schüler hatte sehr viel Zeit zum üben und ist dadurch oft in Phasen gekommen, wo er sich hinterfragt hat, ob das alles einen Sinn macht. Ich habe mit ihm regelmässig ein neues Lernkonzept erarbeitet um ihn bei der Stange zu halten. Wenn man 1½ Jahre lang nur für sich alleine übt, ist es sehr schwer durchzuhalten. In einer Schule ist es so, dass man nie alleine ist, dass heisst, alle Schulkameraden teilen die Probleme miteinander, man kann darüber sprechen und man hat eigentlich nie das Gefühl, alleine da zu stehen. Der Schüler hatte dieses Gefühl jedoch sehr oft. Erst jetzt gegen den Schluss hin hat er jemanden gefunden, der mit ihm regelmässig Jazz-Standards spielt. Von meiner Arbeit aus kann ich sagen, dass ich in diesem speziellen Fall alles gegeben habe was ich kann. Was das Lehrkonzept betrifft, muss ich erwähnen, dass nicht alle Ziele endgültig erreicht worden sind. Wir haben zwar alle nötigen Themen durchgearbeitet aber aufgrund des oben genannten Problems gab es immer wieder Rückschläge. In Sachen Theorie hat er ein sehr gutes Auffassungsvermögen, und in diesem Bereich bin ich sicher, dass er die Berufsschule problemlos absolvieren könnte. Im musikalischen Bereich hat er sehr grosse Fortschritte gemacht und wenn er die letzten drei Monate intensiv übt, bin ich mir sicher, dass er die Aufnahmeprüfung bestehen kann. Er ist mein erster Schüler, der ein solch grosses Ziel verfolgt und ich habe das Gefühl, dass ich ihn auch gut auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet habe. Für mich waren die letzten 1½ Jahre eine grosse Herausforderung, denn ich wurde mit einem Schüler konfrontiert, der, wie schon gesagt, ein grosses Ziel hat. Es war für mich auch eine sehr lehrreiche Zeit, denn ich habe mich mit Problemen auseinandergesetzt die ich zum Teil auch selber habe oder hatte. Ich möchte mit meinem Rückblick auf jedes Thema einzeln eingehen, so ist es mir möglich einen seriösen und effizienten Rückblick zu machen.

 

Harmonielehre

Wir haben beide Bücher durchgearbeitet. Der Schüler hatte keine nennenswerte Probleme. Hier habe ich mein Ziel erreicht und der Schüler konnte die Materie ebenfalls etwa ½ Jahr lang üben und festigen. Es gab zwar Momente, wo ich ihm zu schwierige Aufgaben zu lösen gab, vor allem in der Analyse von Bach-Chorälen. Dies habe ich jedoch sofort gemerkt und bin jeweils wieder einen Schritt zurückgegangen. Hier kann ich sagen, dass ich mein Lehrziel erreicht habe.

 

Gehörbildung

Hier konnten wir bis jetzt nur 1½ Bücher durcharbeiten. Ich bin jedoch trotzdem zufrieden, denn im Buch 2 ist die zweite Hälfte relativ schwer und würde mehr Zeit beanspruchen. Der Schüler hatte Probleme mit Melodiediktaten, ich habe jedoch jede Woche ein Diktat mit ihm gemacht, so dass er Routine im Melodien hören bekam. Hier habe ich grundsätzlich mein Lehrziel erreicht, mit dem Einwand, dass ich anfänglich zu schnell vorwärts gegangen bin und durch das der Schüler etwas überfordert war.

 

Improvisation

Einen Rückblick zu ziehen ist bei diesem Thema sehr schwer, denn bei der Improvisation kann man nie sagen, dass man sie wirklich beherrscht. Ich habe den Schüler ab und zu etwas überfordert, habe dies jedoch sofort bemerkt und bin jeweils wieder zurückgegangen. Der Schüler hat zwar grosse Fortschritte gemacht aber er ist noch zu unsicher und es fehlt ihm noch ein bisschen an Selbstvertrauen. Dies kann er sich jedoch vor allem beim Spielen noch holen. Ich habe ihn versucht zu motivieren, dass er mehr Jazz spielt und dies hat auch irgendwann geklappt, meiner Meinung nach leider etwas spät. Mein Lehrziel habe ich nicht voll erreicht, ich bin jedoch trotzdem zufrieden, denn ich konnte ihm eine gute Basis für die Improvisation vermitteln.

 

Rhythmik

Das Ziel habe ich hier nicht zufrieden stellend erreicht. Ich habe zu spät gemerkt, dass der Schüler grosse rhythmische Probleme hatte. Nach dem Erkennen des Problems habe ich unverzüglich jede Woche beim Unterricht damit begonnen, mindestens zehn Minuten Rhythmik einfliessen zu lassen. Dies hat im letzten halben Jahr sehr gefruchtet und auch hier habe ich ihm eine gute Basis vermittelt, auf der aufgebaut werden kann.

 

Notenlesen

Der Schüler konnte am Anfang so gut wie gar nicht Noten lesen. Hier habe ich von Anfang an mit ihm gearbeitet. Zuerst hat er Inventionen von Bach geübt. Leider konnte ich hier seine rhythmischen Probleme (siehe oben) nicht erkennen. Nach dessen Erkennen habe ich auf die Schule "Melodic Rhythms for Guitar" umgestellt. Seither geht es mit dem rhythmischen Notenlesen gut vorwärts. Hier kann ich mich verbessern, indem ich von Anfang an mehr auf Rhythmik achte.

 

Repertoire

Ich habe mit dem Schüler verschiedene Standards angeschaut und ich habe das Gefühl, dass er nun ein Repertoire von etwa 10 Standards hat. In diesem Bereich bin ich zufrieden, denn er hatte lange keine Möglichkeit, solche mit Freunden zu spielen.

 

Prüfung

Heute merke ich, dass diese Prüfungen sehr wichtig für ihn waren. Anfänglich habe ich es nur gemacht, damit er sich an Prüfungssituationen gewöhnen kann. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass er so auch seinen musikalischen Stand erfahren konnte und dies hat ihn jedes Mal sehr motiviert.

 

 

LEHRMITTELVERZEICHNIS

Vorwiegend arbeite ich mit folgenden Schulen:

- Gitarrenstarter 1 & 2 Cees Hartog

Diese Gitarrenschule ist geeignet für Anfänger, die ausschliesslich mit Notenlesen beginnen wollen. Sie enthält Lieder aus der Volksmusik, Klassik und wenige aus der Rockmusik. Diese Schule ist besonders geeignet für Schüler, die noch nicht wissen in welche Stilrichtung sie sich begeben wollen.

 

- Rock & Pop Gitarrenschule 1 & 2 Gerald Weiser

Diese Gitarrenschule ist nur auf Rock und Pop Musik ausgelegt. Sie eignet sich vor allem für Anfänger, die mit der elektrischen Gitarre beginnen wollen. Der Schüler kann wählen ob er mit Notenlesen beginnen will oder mit der Tabulaturschreibweise. Es ist beides vorhanden. Weiter ist in beiden Bänden eine CD dabei, wo die Übungen und Lieder mit Begleitband vorgespielt werden. Man kann mitspielen oder auch nur die Songs (Hitparade, Rock, Evergreens) anhören.

 

- Das Gitarrenspiel für Begleitung und Gesang 1 & 2 Markus Bieri

Diese Schule ist nur für die Erlernung von Liederbegleitungen. Man arbeitet mit dieser Schule ohne Noten, nur mit Griffbildern. Jedes Kapitel ist in drei Teile aufgeteilt. 1. Theoretischer Teil (Harmonielehre), 2. Praktischer Teil (Griffbilder), 3. Lieder Teil. Man kann zu beiden Bänden zusätzlich eine Kassette kaufen, die alle Zupf- und Schlagmuster und Gesangsmelodien enthält. Für ihren Zweck ist dies eine hervorragende Schule.

 

- Rhythmik-Schule für alle Instrumentalisten 1 & 2 Jaro Fux

Diese Schule ist, wie der Name bereits sagt, für alle Instrumente geeignet. Sie beinhaltet nur rhythmische Übungen ohne Melodien. Sie ist sehr gut geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene. Es wird sehr wenig erklärt und ist darum weniger für ein Selbststudium geeignet.

 

- A Modern Method for Guitar Vol. 1 & 2 William G. Leavitt

Diese Gitarrenschule ist ausschliesslich für das Erlernen von Notenlesen geeignet. Die Übungen sind rhythmisch sehr einfach. Es wird sehr wenig geschrieben und das Wenige auf Englisch und ist deshalb nicht besonders für ein Selbststudium geeignet.

 

- Melodic Rhythms for Guitar William G. Leavitt

Diese Schule verbindet das Notenlesen mit dem Rhythmischen. Sehr gut geeignet in Kombination mit "A Modern Method for Guitar". Die Melodien sind leider nicht sehr ohrgängig. Es wird ebenfalls sehr wenig geschrieben und das auch auf Englisch und ist deshalb auch nicht besonders für ein Selbststudium geeignet.

 

Gitarrenspezifisches Lehrkonzept | Quellenangaben


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