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PÄDAGOGIK - DIPLOMARBEIT

© Marcel Maij, Wil SG, 1999


Pädagogik Übersicht | Die Gitarre

 

1. MUSIKUNTERRICHT

 

1.1 Stellenwert des Musikunterrichts

Musik ist ohne Zweifel ein sehr wichtiges Element der gesamten Menschheit. Es gibt wohl kaum eine menschliche Kultur auf dieser Welt, die ohne Musik auskommt. Es ist unbestritten, dass Musik einen sehr grossen Einfluss auf unseren Körper und unsere Psyche hat. Bis noch vor wenigen hundert Jahren galt die Musik als eine hohe geistige Wissenschaft. Leider hat sich dies im Verlauf des letzten Jahrhunderts drastisch verändert. Die meisten Menschen in der so genannten westlichen Kultur sehen die Musik heute nur noch als Nebensache an. Sie ist zwar angenehm aber was nützt sie?! Meiner Meinung nach sehr viel, heute noch mehr den je. Wir leben heute in einer von Technik und Wirtschaft beherrschten Welt, in der die musische Seite viel zu wenig Beachtung findet. Es ist sehr wichtig, diese Seite des Menschen aufrecht zu erhalten, denn ich würde behaupten, dass die intellektuelle Seite nicht ohne die musische Seite auskommt und umgekehrt. Der Stellenwert der Musik sollte dem Stellenwert des Intellekts deshalb gleichgestellt sein. Anders ausgedrückt, sollten Musikschulen den gleichen Stellenwert haben wie die Volksschulen.

 

1.2 Unterrichtsphilosophie

Ich unterrichte vor allem Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 18 Jahre. In diesem Alter ist es sehr wichtig, Spass und Freude an der Musik zu haben. Wir alle spielen doch Musik. Spielen! Also ist es ein Spiel und ein Spiel soll immer Spass machen. Es macht meiner Meinung nach keinen Sinn, die Kinder mit einem Schwall von Musiktheorie, Noten und bestimmten erzwungenen Haltungen zu "stressen". Wie lernt ein Kind im Babyalter sprechen? Ganz einfach, es hört zu und ahmt nach. Dies ist ein Prozess der über Jahre dauert. Nach etwa sieben Jahren, wenn die Sprache einigermassen aber noch lange nicht vollendet ausgebildet ist, beginnt das Kind in der Schule zu lesen und zu schreiben. Warum soll es nicht auch in der Musik so sein. Leider wird es heute noch zuviel so gehandhabt, dass der kleine Musikschüler als erstes Musiknoten vorgelegt bekommt. Ich verstehe das nicht ganz, denn wer käme schon auf die Idee, einem Baby ein Buch vor die Nase zu halten um ihm zu erklären, dass das was er sieht ein "A", ein "F" oder ein "K" ist. Schon die Vorstellung ist abstrakt. Ich möchte immer versuchen, die Kinder musikalisch da abzuholen, wo sie als kleine Kinder waren. Meine Erfahrung zeigt, auch mit meinen eigenen Kindern, dass Kinder sehr früh eine Begabung für Improvisation entwickeln. Wohl alle Kleinkinder haben die Fähigkeit, eine Melodie zu erfinden oder zu improvisieren. Und genau an dieser Stelle versuche ich sie abzuholen. Das Notenlesen, was selbstverständlich nicht unwichtig ist, jedoch nur ein Mittel zum Zweck ist, führe ich erst später ein, wenn die musikalische Sprache bereits etwas vorhanden ist. Darauf gehe ich jedoch später bei meinem nachfolgenden Lehrplan näher ein. Ich möchte hier den Perkussionisten Papa Oyeah Makenzie aus Ghana zitieren: "Ich glaube, ihr lernt alle die Musik verkehrt herum - von den Fingern in die Ohren, statt von den Ohren in die Finger. Das ist als ob man Tricks lernt, um das Leben zu imitieren." ("Die unerträgliche Leichtigkeit des Instrumentalspiels", Volker Biesenbender, Musikedition Nepomuk, S.39) Ich versuche immer aus solchen Zitaten und aus Erfahrungen, die verschiedene Menschen gemacht haben, zu lernen und das Positive heraus zu nehmen. Weiter ist für mich der soziale Aspekt sehr gross geschrieben. Zum Beispiel versuche ich die Schüler konkret auf das Arbeiten in einer Gruppe vorzubereiten, was in der Musik sehr wichtig ist. Darum lasse ich die Schüler immer wieder zusammenkommen, damit sie zusammen Musik machen. Dies ist im allgemeinen Leben genauso wichtig und wenn die Schüler auch dort von mir profitieren können ist das umso besser. Auch habe ich gemerkt, dass viele Jugendliche, die in der Pubertät sind, Bezugspersonen suchen. Aus eigener Erfahrung ist ein Musiklehrer anscheinend sehr geeignet dafür, da der Schüler mindestens eine halbe Stunde in der Woche mit ihm alleine ist. Ich habe erlebt, dass sich Schüler bei mir ausgeweint haben, weil sie zum Beispiel Beziehungsprobleme hatten. Wenn ich diesen Schülern helfen kann, indem ich zuhöre und vielleicht einige Ratschläge geben kann, merke ich immer wieder wie wichtig der soziale Aspekt im Musikunterricht sein kann.

 

1.3 Lehrer-Schüler Beziehung

Eine gesunde Lehrer-Schüler Beziehung ist wohl der Baustein des gesamten Unterrichts. Wenn die Beziehung untereinander stimmt, ist es für den Schüler wesentlich einfacher zu lernen und Neues aufzunehmen. Vor allem kommt er gern und motiviert in den Unterricht. Wie entsteht eine solche Beziehung? Natürlich lässt sich eine solche gute Beziehung nicht erzwingen, aber wir Lehrer haben Möglichkeiten, eine gute Grundlage zu schaffen. Zum Beispiel spielt die Vorbildfunktion des Lehrers eine grosse Rolle. Schüler fühlen sich in Gegenwart von Personen wohl, die freundlich, respektvoll, optimistisch, ruhig, vertraut und zuversichtlich sind. Viele Schüler übernehmen dies und so kann eine gute Beziehung geschaffen werden. Für mich ist es sehr wichtig, das Vertrauen des Schülers zu erlangen indem ich auch mal auf ein Gespräch eingehe, das nichts mit Musik zu tun hat. Für viele Schüler ist es sehr angenehm, wenn sie eine halbe Stunde allein mit einem Erwachsenen verbringen können (was sie ja selten haben), deshalb muss man auch, natürlich etwas beschränkt, auf andere Probleme eingehen können. Wie ich bereits erwähnt habe, ist es sehr wichtig eine gesunde Beziehung aufzubauen, was jedoch immer beachtet werden muss ist, dass der Respekt dem Lehrer und dem Schüler gegenüber immer erhalten bleibt. Es darf keine Larifari Beziehung werden, sonst wird der Lerneffekt des Schülers gleich Null. Wenn eine solche gute Beziehung aufgebaut wurde, ist es nicht so, dass man nicht mehr daran arbeiten müsste. Die grösste Herausforderung für den Lehrer ist, dass er sich immer wieder zu spiegeln weiss. Er muss in der Lage sein, sich selber von aussen her zu betrachten. Fragen wie "Wo liegen meine Schwächen und Stärken?" und "Was habe ich in der Unterrichtsstunde richtig oder falsch gemacht?" sollten zur täglichen Arbeit gehören. Mit Offenheit und Ehrlichkeit sich selber gegenüber ist man in der Lage, Fehler, die man gemacht hat, einzugestehen und solche auch mal zu beheben. Dies spürt natürlich auch der Schüler und versucht es im besten Fall sogar nach zu ahmen.

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