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PÄDAGOGIK - DIPLOMARBEIT

© Marcel Maij, Wil SG, 1999


Allgemeines Lehrkonzept | Schülerspezifisches Lehrkonzept

 

5. GITARRENSPEZIFISCHES LEHRKONZEPT

Hier führe ich Punkte auf, die speziell für den Gitarrenunterricht wichtig und nötig sind. Punkte, die für verschiedene oder auch für alle Instrumente sind, habe ich bereits im allgemeinen Lehrkonzept aufgeführt und werde diese hier nicht mehr erwähnen.

 

5.1 Haltung

Es gibt verschiedene Haltungen für die Gitarre. Zum Beispiel spielt man die Klassische Gitarre auf dem linken Oberschenkel liegend, wobei das linke Bein mittels Fussbock erhöht wird. Die Western- oder auch die Jazzgitarre wird in der Regel auf dem rechten Oberschenkel gespielt. Die elektrische Gitarre trägt man beim Sitzen oder auch beim Stehen an einem Traggurt. Ebenfalls gibt es für die rechte oder linke Hand bestimmte Haltungen und auch für den Rücken, also die richtige Sitzhaltung. Für mich ist anfänglich nur die Sitzhaltung von grosser Wichtigkeit. Die Haltung fördere ich indem ich den Schüler auf der vorderen Kante des Stuhls sitzen lasse. Dadurch bleibt der Rücken relativ gerade. Regelmässig lasse ich die Schüler auch aufstehen oder auch bequem hin sitzen, damit der Rücken auch mal entlastet wird. Die Haltung der Hände ist anfänglich weniger wichtig. Ich helfe dem Schüler, wenn er gewisse Griffe nicht greifen kann, indem ich ihm idealere Haltungen der Hände zeige. In diesem Punkt ist es für mich sehr wichtig, dass der Schüler seine Erfahrungen selber macht. Es ist für ihn und auch für mich einfacher, wenn der Schüler selber erfährt, welche Haltung für ihn nötig ist um schwierige Griffe zu greifen. Das Gleiche gilt auch für die Haltung der Gitarre. Ich überlasse es dem Schüler, wie er die Gitarre halten will. Es spielt keine grosse Rolle, ob er die Klassische Gitarre auf dem linken oder rechten Oberschenkel legen will. Ich denke, es ist letztendlich wichtiger, dass es der Schüler bequem hat. So können Spannungen vermieden werden.

 

5.2 Koordination

Am Anfang ist es ziemlich schwer für den Schüler, die Koordination zwischen der linken und der rechten Hand zu erlangen. Ich habe festgestellt, dass es Menschen gibt, die gar keine Probleme damit haben und solche die grosse Probleme damit haben. Im letzteren Fall arbeite ich oft mit folgender Übung: Der Schüler legt die Finger der linken Hand so auf das Griffbrett, dass jeder Finger in einem Bund liegt. Nun schlägt er die Saite mit der rechten Hand viermal an (Wechselschlag), hebt danach den kleinen Finger und schlägt wieder viermal an, hebt dann den Ringfinger und schlägt wieder viermal an, und so weiter. Die ganze Übung wird auch in die andere Richtung und mit Saitenwechsel durchgeführt. Diese Übung soll er täglich etwa zwei bis drei Minuten machen und kontinuierlich schneller werden. Innert kürzester Zeit funktioniert die Koordination besser. Die Übung fördert ebenfalls den Wechselschlag der rechten Hand (siehe Abschnitt "Spieltechnik") und ist gleichzeitig eine gute technische Übung (z.B. Geschwindigkeit).

 

5.3 Spieltechnik

Ich unterrichte mit zwei verschiedenen Spieltechniken der rechten Hand. Die Eine ist der Anschlag mit den Fingern die Andere mit dem Plektrum. Für Kinder ist es anfänglich einfacher, mit den Fingern zu spielen, da die meisten eine Klassische Gitarre mit Nylonsaiten besitzen. Nylonsaiten sind im Gegensatz zu Stahlsaiten viel weicher und eigenen sich nicht sehr gut für das Plektrum. Andere Schüler mit Stahlsaiten-Gitarren (z.B. elektr. Gitarre, Westerngitarre, usw.) unterrichte ich mit dem Plektrum. Das Prinzip zwischen den Fingern und dem Plektrum ist nur von Namen her ähnlich. Bei beiden spricht man von einem Wechselschlag. Bei den Fingern wechselt man zwischen Zeige-, Mittel- und Ringfinger ab, wie wenn die Finger laufen würden. Hier gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten. Es gibt a) den Apoyando-Anschlag oder b) den Triando-Anschlag. Beim Apoyando-Anschlag bleibt der Finger nach dem Anschlagen auf der nächst oberen Saite liegen und wird dadurch auch "Wechselschlag mit Anlegen" genannt. Beim Triando-Anschlag zupft man die Saiten nach oben, so dass der Finger die anderen Saiten nicht berührt und wird auch "freier Anschlag" genannt. Dieser Anschlag wird häufig für die Begleitung (gebrochene Akkorde) verwendet. Das Plektrum hält man zwischen Zeigefinger und Daumen. Man schlägt die Saite abwechselnd von oben nach unten und von unten nach oben an. In der Regel schlägt man hier die Saiten so an, dass die anderen Saiten nicht berührt werden. Bei der linken Hand gibt es auch verschiedene Techniken. Zum Beispiel kann man Saiten klopfen oder ziehen. Das heisst, beim Klopfen drückt man einen Ton und schlägt ihn an, dann klopft man mit dem nächsten Finger auf der gleich Saite in den nächsten Bund. So entsteht der Ton nicht durch das zupfen der rechten Hand, sondern durch das Aufschlagen des Fingers der linken Hand. Beim Ziehen ist das Prinzip gleich jedoch umgekehrt. Dies sind natürlich nur wenige Beispiele für Spieltechnik. Es ist auch sehr abhängig vom Musikstil, da jeder Stil seine eigene Spieltechnik hat. Leider ist es mir aber nicht möglich alle diese Techniken hier aufzuführen.

 

5.4 Stimmen der Gitarre

Das Prinzip des Stimmens der Gitarre ist eigentlich sehr einfach. Die Schüler verstehen die Vorgehensweise sehr schnell. Das Problem liegt jedoch da, dass sie meistens nicht unterscheiden können, ob die Saite, die zu stimmen ist, zu tief oder zu hoch klingt. Ich beginne sehr früh mit den Schülern ihre Gitarre zu stimmen. Anfangs stimme ich sie und die Schüler versuchen ebenfalls zu hören, wie die Saite klingt. Mit der Zeit beginnen sie selber die Gitarre zu stimmen und ich kontrolliere nur noch. Einige Schüler besitzen ein Stimmgerät, was das Stimmen wesentlich vereinfacht. Ich versuche jedoch trotzdem sie zu motivieren, dass sie auch nach dem Gehör stimmen, da dies ein hervorragendes Gehörtraining ist.

 

5.5 Einhören

Zum Einhören nimmt der Schüler oder auch ich eine CD oder eine Kassette mit. Ich nehme meistens Gitarrenmusik aus verschiedenen Musikstilen mit. Dies kann Pop, Rock, Jazz, Blues oder Klassik sein. Dies kann für den Schüler sehr anregend sein, da er auch mit Musikstilen in Kontakt kommt, die er noch nicht kennt.

 

5.6 Liedbegleitungen

Nebst dem Melodiespiel lasse ich auch die Liedbegleitung mit Akkorden in meinen Unterricht einfliessen. Hier arbeite ich vor allem mit der Lehrmethode von Markus Bieri "Das Gitarrenspiel für Begleitung und Gesang". Falls die Hände der Kinder noch zu klein sind, beginne ich mit vereinfachten Griffen und baue sie später aus. Der Schüler lernt verschiedene Zupf- und Schlagmuster kennen, wobei ich erwähnen muss, dass ich auch viel mit dem Begleitmuster improvisieren lasse.

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